
von Roland Hertwig - veröffentlicht im Eisenbahn-Kurier 12/2007
Die Grafschaft Bentheim liegt im Nordwesten Deutschlands an der Grenze zu den Niederlanden. Sie war aufgrund der Grenznähe schon immer dünn besiedelt. So verwundert es nicht, dass diese Gegend für die Königlich Hannöverschen Staatseisenbahnen uninteressant war. Und es war eine niederländische Privatbahn, die Spoorweg-Maatschappij Almelo-Salzbergen, die die erste Eisenbahnstrecke in der Grafschaft baute. Sie schuf 1865 die grenzüberschreitende Strecke von Almelo/NL über Bentheim nach Salzbergen, wo Anschluss an die Hannoversche Westbahn und damit an das deutsche Eisenbahnnetz bestand. Durch diese Strecke, deren deutscher Teil 1927 von der Deutschen Reichsbahn übernommen wurde, war aber nur der Südteil der Grafschaft erschlossen. Mangels staatlichen Interesses am Bahnbau in dieser Gegend musste zur weiteren Erschließung der Grafschaft eine weitere Privatbahnstrecke entstehen. Dazu wurde die Bentheimer Eisenbahn gegründet (die allerdings bis 1924 Bentheimer Kreisbahn hieß) und fast ausschließlich dem Landkreis gehörte. Sie nahm in den Jahren 1896 bis 1910 in Teilabschnitten die 76 km lange Strecke Gronau - Bentheim (seit 1979: Bad Bentheim) – Nordhorn – Neuenhaus - Emlichheim – Laarwald – Coevorden/NL in Betrieb. Die Strecke wurde überwiegend zur Bedienung der Textilindustrie in Nordhorn sowie zur An- und Abfuhr landwirtschaftlicher Güter gebaut. 1914 entstand in Emlichheim eine 3 km lange Zweigstrecke zum dortigen Kanalhafen.
Nach dieser ersten Phase des Aufbaus schloss sich zwischen den beiden Weltkriegen eine Phase des Ausbaus und der Modernisierung an. 1925 bis 1929 wurden sieben moderne ELNA-Dampflokomotiven beschafft. 1928 kamen vier vierachsige Personenwagen sowie zwei Post-/Packwagen der Waggonfabrik Wismar hinzu, die seinerzeit das komfortabelste Wagenmaterial darstellten, was auf deutschen Privatbahnstrecken zu finden war. 1933 wurde der erste Triebwagen, ein Wismar-Schienenbus, beschafft.
Der grenzüberschreitende Personenverkehr zwischen Laarwald und Coevorden/NL musste mit Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 eingestellt werden und ist nach dem Krieg nicht wieder aufgenommen worden. Da die deutschen Truppen am Kriegsende die Drehbrücke in Coevorden gesprengt hatten, ruhte bis zum Wiederaufbau der Brücke im Jahre 1951 vorübergehend auch der grenzüberschreitende Güterverkehr.
Seite > 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | nächste Seite
Dieser Bericht wurde mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des Eisenbahn Kuriers aus dem Heft 12/2007 übernommen. Alle Rechte liegen beim Verlag des Eisenbahn-Kuriers. www.eisenbahn-kurier.de